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PSA Comic Grading – Test, Infos und Preise – Ernste Konkurrenz?

PSA Comic Grading. Als die Informationen vor einigen Monaten gedropped wurde, dass der Nummer 1 Grading Service für Sport- und Sammelkarten künftig auch Comics verkapseln will, hielten dies zunächst viele für eine Finte. Faktisch möchte der US Dienstleister, welcher weltweit anerkannt ist, aber nun die Welt der Comics erobern. Ob damit eine ernste Konkurrenz für CGC auf dem Markt erscheint, wird sich zeigen. Ich habe für Euch alle Infos, Preise und Vergleiche, die ihr braucht gesammelt.

Anmerkung: Zwischen Erstveröffentlichung des Artikels und dem finalen Test liegen rund 9 Monate, da PSA sich unfassbar viel Zeit gelassen hat! Mehr dazu, im Test weiter unten!

Im Kosmos der Comic-Fans sind Firmen wie CGC (Certified Grading Company) oder CBCS (zugehörig zu Beckett Grading) bereits seit Jahrzehnten feste Begriffe und Größen. Auch wenn es mittlerweile einige Mitbewerber gibt, wie dem deutschen Unternehmen AP Grading oder PGX, konnte vor allem CGC bislang niemand den Rang streitig machen. Wer ist also PSA? Professional Sports Authenticator“ besteht seit 1991 und hat anfangs, vor allem Sport- & Sammelkarten verkapselt. Das ikonische rot/weisse Label dürfte nahezu jeder schon einmal gesehen haben. Mittlerweile können auch Funko Pops, Münzen und mehr eingeschickt werden. Um Comics wurde jedoch lange ein Bogen gemacht. Dies soll sich nun ändern.

Die Ankündigung hat durchaus für Furore gesorgt. Nicht nur, dass diese zunächst etwas überraschend kam sie aber durchaus Euphorie kreiert hat, in der etwas monopolierten Grading Welt der Comics. PSA hat sich direkt zu Beginn einen Fauxpas erlaubt, welcher die Professionalität anzweifeln ließ. Ein Promo-Bild zeigte einen Slab, auf welchem „Newsstand Edition“ vermerkt war. Das abgebildete Comic war jedoch eine Direct Edition. Schlimmer noch – Das besagte Heft gibt es gar nicht als Newsstand Edition. Den genauen Augen der Community entgeht nichts… (Bild: PSA Grading)

Die Optik eines PSA Comic Gradings - Bild: PSA Grading

PSA Comic Grading – Wo liegt der Unterschied?

Grundsätzlich bietet PSA zunächst einen vergleichbaren Dienst an, wie es CGC oder CBCS auch tun. Ein Comic wird begutachtet, bewertet und anschließend verkapselt. Zum Start ist es noch nicht möglich, signierte Hefte verifizieren zu lassen. Seitens des Anbieters will man diesen Service jedoch nachreichen. So ist es u.a. möglich Comics aber auch Magazine einzusenden. Der prägnanteste Unterschied, dürfte jedoch die angekündigte Zeit sein, in welcher ein Heft den Prozess durchläuft. So bietet PSA ein Modern (<1975) Grading mit einer Turnaround Time von gerade einmal 20 Tagen an. Vintage (>1975) Grading erhöht sich auf rund 30 Tage. Dazu kommt, dass man gewisse Service Level buchen kann, um die Turnaround Time zu verkürzen. Dies geht allerdings gehörig ins Geld. Während nämlich ein herkömmliches Grading für regulär 29,99$ (vergleichbar mit der Konkurrenz) zu Buche schlägt, ist man bei Modern Plus (12 Tage( bereits bei 44,99$. Je wertvoller das Comic, desto teurer wird das Grading. Schön ist: Zu Beginn des Service, gibt es diverse Rabatte. Wer weiß…mit einem günstigeren Service und einer schnelleren Durchlaufzeit, könnte man sich von der Masse abheben!

Die Preisliste des PSA Comic Gradings

Davon ab muss man jedoch beachten, dass sich der Service mit denen der Konkurrenz, komplett deckt. Wirkliche Alleinstellungsmerkmale findet man noch keine. Gerüchte darüber, ob Sub-Grades, (ähnlich wie bei Sammelkarten) eingeführt werden, blieben bislang noch offen. Dabei werden z.B. einzelne Werte ermittelt für die Oberfläche oder die Kanten, welche anschließend den Gesamtwert ergeben. Persönlich empfinde ich dies als schwer umsetzbar bei Comics. Ein interessanter Ansatz wäre es jedoch allemal!

Das Label selbst ist in rot/weiß gehalten. Lediglich bei seltenen 10er Wertungen, wird ein gelbes Label vergeben. Ob PSA hier mit Zehnen um sich schmeißt wie bei Karten? Generell wird es spannend zu sehen, ob sich das gelbe Label nicht langfristig eher zum Label für signierte Hefte wandelt, um der Konkurrenz auf Augenhöhe zu begegnen. Update: Mittlerweile gibt es eine Unterschrift Verifizierung. Diese wird mit extra Wertung im Standard Label aufgeführt!


Der Test! PSA Comic Grading unter der Lupe

Es wurden zwei Hefte in die USA gesendet, welche von PSA gegradet werden sollten. Es handelt sich um „Something is Killing the Children #1 – Archive Edition, Kickstarter Exclusive“ sowie „Punisher #218 (2018) – Lenticular Cover – Frank Castle becomes War Machine„. Anstelle der wenigen Wochen Turnaround, so wie groß angepriesen, musste ich sage und schreibe 9(!) Monate auf meine Slabs warten. Hier wurde sich keinesfalls mit Ruhm bekleckert! Doch hat sich das Warten gelohnt?

Eines vorneweg! Die Slabs sind deutlich schwerer, als die der Konkurrenz. Während ein CGC Slab auf ca 500g kommt, liegt man seitens PSA bei ganzen 800g! Ein Faktor, welcher sich in der Robustheit widerspiegelt. Massiv und stabil, ohne großartige Angst vor Kratzern haben zu müssen. Sowohl in der äußerlichen Erscheinung als auch der Haptik, hat der Neueinsteiger im Comic Grading Segment ohne Zweifel die Nase vorne! Was die Maße angeht, sind die PSA Slabs lediglich weniger Millimeter breiter. Die Label geben sich wertig und sind mit Details wie QR Codes zu Grader Notes etc. versehen. Während Autoren etc. nun hinten finden, stehen vorne wie üblich, Key Facts zu den Heften im Label.

Eindrücke der PSA Comic Grading Slabs, fresh out of the Box! (Bild: Renes Nerd Cave)
Eindrücke der Slabs, fresh out of the Box! (Bild: Renes Nerd Cave)

Erhaltet Ihr Comics zurück, ist jedes Exemplar in einer stabilen Kunststoff Hülle verpackt sowie extra Schutzfolie darunter. Schutz der Hefte wird hier hoch geschrieben! Schade ist allerdings, dass auch PSA das Problem der „Newton Rings“ nicht beheben kann. Leider haben meine beiden Test-Exemplare massive Newtons auf Front- wie Backcover. Dies ist zwar keine Beschädigung des Slabs (eine Erläuterung dazu findet ihr in meinem AP Grading Test), allerdings trotzdem unschön! Davon ab gibt es wenig zu bemängeln. Optisch mag das Label selbst Geschmackssache sein, mich stört es nicht. Insgesamt wissen die Slabs sehr zu überzeugen und sollte der Preis nicht massiv in die Höhe gehen, kann ich mir PSA Comic Grading durchaus als willkommene Alternative vorstellen!


Comic Grading rot/weiß – Wie reagiert die Community?

Grundsätzlich wurde die Ankündigung positiv aufgenommen. Gerade im US Sektor begrüßen viele Sammler und Fans den Einstieg, der Grading Pioniere. Selbstredend gibt es auch Skepsis, ob sich das Konzept durchsetzen kann, aber gerade hinsichtlich der Möglichkeiten in Turnaround und Preis Aspekten, ist große Neugierde verbreitet. Generell ist das Gusto aber zweigeteilt. Ein Teil der Sammler freut sich auf eine Alternative. Andere belächeln es. Die größte Frage bleibt zunächst, ob sich das PSA Grading am Markt etablieren kann. Denn CGC, dem unangefochtenen Platzhirsch, den Rang abzulaufen, dürfte vorerst utopisch sein.

Update: Tatsächlich wurde PSA Grading bis dato gut von der (vornehmlich US) Community aufgenommen. Eine wirklich Bedrohung für das Monopol von CGC stellt der Service bisweilen jedoch nicht dar. Auch die Preise wurden mittlerweile etwas angehoben. Es bleibt spannend zu sehen, wie es weitergeht!

Im Zuge des Themas, habe ich Niklas Kuljasow von Comic King, drei Fragen gestellt. Seine Antworten lest Ihr hier. Mehr zu seinem Shop findet ihr in meinem Artikel.

3 Fragen an ComicKing.de

RNC: Wie überraschend kam für Dich die Ankündigung?

Comic King: Es war eine echte Überraschung, dass PSA bereits nächsten Monat (Juli) mit dem Comic-Grading beginnt. Auch wenn schon seit Monaten bekannt war, dass PSA dies künftig anbieten möchte. Besonders gespannt war ich allerdings auf das endgültige Design der Slabs und das konkrete Leistungsangebot. Das Thema Sub-Grades stand ebenfalls zur Diskussion, doch dazu fehlen bislang nähere Informationen. Außerdem wird es interessant sein zu beobachten, wie sich Preise und Bearbeitungszeiten entwickeln.

RNC: Glaubst Du, es wird den Markt langfristig ändern?

Comic King: Im Marktumfeld ist Konkurrenz essentiell. Lange Zeit hatte CGC kaum (ernstzunehmende) Mitbewerber. Obwohl CBCS international akzeptiert ist, hat es CGC nicht unter Druck gesetzt. CBCS bleibt in erster Linie die Alternative, kann aber kaum Marktanteile abknöpfen. PSA hingegen, ist seit Jahren im Sammelkartenmarkt etabliert und verfügt über eine große Community von Sammlern. Viele von ihnen könnten künftig über PSA den Weg in die Comic-Welt finden. Unter Comic-Sammlern herrscht allerdings noch Skepsis. CGC ist die mit Abstand größere und im Markt etablierte Grading Firma generell. In einer Umfrage unserer Community gaben 62 % der Befragten an, dass PSA niemals eine gleichwertige Alternative zu CGC werden kann.

RNC: Wie kann PSA ein besseres Angebot als CGC bieten?

Entscheidend wird sein, wie PSA Comics in Auktionen abschneiden und ob diese direkt mit CGC-Grades vergleichbar sind oder ob es Abweichungen gibt. Beispielsweise, ob ein PSA 10.0 dem CGC 9.8 entspricht oder ob hier gleiche Maßstäbe angelegt werden. Der Preis ist der erste Faktor, der vielen einfällt: Sollte PSA (langfristig) deutlich niedrigere Grading-Gebühren verlangen, könnte das Sammler interessieren. Viel wichtiger ist jedoch, dass PSA in Bewertung und Grading-Skala, dem etablierten CGC-Standard nachzieht. Grundlegende Unterschiede in der Zustandsbewertung wären fatal und könnten für das Comic-Grading von PSA das Ende bedeuten. Wenn sie jedoch in Preis, Bearbeitungszeit und Bewertung den CGC-Standard nachbildet, hat es gute Chancen, durch zusätzlichen Service, etwa Sub-Grades, Fans zu gewinnen. Ich halte es allerdings für unwahrscheinlich, dass sie das Grading der Marktführer preislich oder anteilsmäßig ernsthaft unter Druck setzen können. Dennoch werden wir den Service testen und gegebenenfalls selbst einen Grading-Service für das PSA Comic-Grading anbieten.

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