Film & Serien Reviews

JOKER – Als das Black Label das Kino traf!

Mit Joker kam jüngst ein Film ins Kino, welcher nicht nur polarisiert wie kein anderer Film in diesem Jahr – er fasziniert! Es ist ein Film, welcher gekonnt alle Standards bricht, welche Comic-Verfilmungen in den letzten Jahren ausgemacht haben. Spaß, Action und Superhelden sucht man hier vergebens. Doch genau dass ist es, was den Film so gut macht. Er ist ein düsteres, depressives Abbild eines der bekanntesten Comic-Charaktere aller Zeiten! Joaquin Phoenix ist der Joker – womöglich die Rolle seines Lebens. Wieso? Das lest ihr hier!

Eines der Kinoplakate des Films (Bild: Warner Bros.)
Eines der Kinoplakate (Bild: Warner Bros.)

Joker – Setz dein bestes Lächeln auf!

Gotham City 1981. Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) ist ein Mann in den dreißigern, welcher sein Leben lang einen Traum hat: Er will Stand-Up Comedian werden. Doch der Erfolg bleibt ihm verwehrt. Die Realität meint es nicht gut mit ihm. Der Schizophrene und von Wahnvorstellungen geplagte Arthur bekommt keinerlei Hilfe vom Staat, dient als Sündenbock und Boxsack der Bevölkerung und hat keinen Erfolg in seinem Job als Straßenclown. Sein chronisches Lachen bringt ihn dazu oftmals in unangenehme Situationen. Hinzu kommt, dass er seine kranke Mutter pflegen muss und sich sein Leben unaufhaltsam im Kreis dreht. Spätestens als er einen Teil seiner Vergangenheit erfährt, welche ihm bis dato unbekannt war, beginnt eine unaufhaltsame Reinkarnation seines Charakters – Der Weg zum Joker ist geebnet!

Joaquin Phoenix als Arthur Fleck in Joker
Der vom Lachen geplagte Arthur Fleck (Bild: Warner Bros.)

Wer ist eigentlich der Joker? Die meisten kennen ihn sicherlich aus The Dark Knight, welcher den Charakter in ungeahnte Beliebtheit katapultiert hat. Doch er ist viel mehr als das! Seinen Ursprung hat der Charakter in der ersten Batman Ausgabe aus dem Jahr 1940. Erschaffen wurde der Clown dabei von den Urvätern Batmans – Bill Finger und Bob Kane! Ursprünglich sollte der Charakter nur eine Ausgabe lang dabei sein, doch schnell wurde er zum wiederkehrenden Antagonisten des Dark Knight und so wurde er zum absoluten Erzrivalen der Fledermaus aus Gotham City. Über die Jahre hatte der Charakter bereits viele Gesichter und Interpretationen. Es wäre falsch ihn auf eine einzige Variante zu reduzieren! Witziger Clown, Psycho, Anarchist – oder Helfer des GCPD! Nur wenige Charaktere bieten so viel Potential wie dieser. Helfer des GCPD? Ja! Mehr dazu lest ihr in meiner Review zum DC Black Label Hit „Der Weisse Ritter„!

Send in the Clown(s)

Im Vorfeld wurde bereits viel über den Film diskutiert. Braucht es wirklich einen Film über den Joker? Ist Joaquin Phoenix (Gladiator, The Master) der Richtige für die Rolle? Wieso soll er kein Teil des DCEU werden? Nun – mit 93 Millionen USD am Box Office in den USA liegt der Film bereits auf Erfolgskurs. Dabei polarisiert er wie kein anderer Film in diesem Jahr. Von übertriebener Brutalität und gar Gewaltverherrlichung ist die Rede. Menschen sollen deswegen die Kinosäle frühzeitig verlassen haben. Ein Film, welcher die Gefahr birgt der Grund für Amokläufe zu werden. Euer Ernst?! Der Film bietet grafische Gewalt, doch welche wegen der man aus dem Kino flüchten muss? Definitiv nicht! Eines sollte jedem klar sein: Superhelden-Action alá Avengers oder Aquaman findet man hier keine und das ist gut so. Viel mehr spielt der Film von Regisseur Todd Phillips (Hangover, A Star is born) in der Klasse von feinstem Arthouse-Kino!

Kurz vor dem Auftritt seines Lebens - Der Joker
(Bild: Warner Bros.)

Genau aus diesem Grund macht für mich der Vergleich zum DC Black Label auch so viel Sinn. Dort erscheinen Geschichten, welche frei von jeglicher Kontinuität erzählt werden können. Solche wie das bereits angesprochene Comic Der Weisse Ritter, in welchem der Joker geheilt ist und der Polizei Gothams hilft. Joker bedient sich an bekannten Mustern der Comics (Vergleiche mit Alan Moores Klassiker „The Killing Joke“ liegen auf der Hand), setzt diese aber auf seine eigene Art und Weise um. So entsteht ein zynisches und bitterböses Abbild eines Charakters, welchen wir alle kennen. Doch wieso steht der Film dann so in der Kritik? Weil es unglaublich realistisch ist! Während dem schauen gab es Momente, wo ich mich fragte, ob das Gesehene wirklich fiktiv ist. Denn es fühlt sich echt an. Ruht in jedem von uns womöglich ein Joker? Teilt mir eure Gedanken gerne in den Kommentaren oder per Social Media mit!

Klopf Klopf…PENG

Anders als bei den meisten Comic-Verfilmungen haben wir hier keinen positiven Gegenpol. Einfach gesagt: Der Film zieht uns immer tiefer hinein in eine Spirale aus Dunkelheit, Trauer und Grauen. Dabei bildet der Charakter Arthur Fleck eine ungeheure Sympathie. Lässt man sich darauf ein, erwarten den Zuschauer 122 Minuten Anspannung, Unwohlsein und eine Faszination, wie man sie nur noch selten in diesem Genre sieht. Untermalt wird die dichte Atmosphäre durch einen unglaublichen Score. Egal ob es die vielen Klassiker von Cream, Sinatra oder The Who sind oder der Filmscore selbst. Die Musik passt wie die Faust aufs Auge und brennt sich regelrecht in den Kopf.

Robert DeNiro und Joaquin Phoenix
Call me Joker! (Bild: Warner Bros.)

Schon nach der Premiere auf dem Venedig Filmfestival vor einigen Wochen wurde eines klar – Joaquin Phoenix ist einer der heissesten Anwärter auf den Oscar! Nachdem ich den Film gesehen habe, unterschreibe ich diese These ohne jeden Zweifel! Die Rolle des Clowns verlangt ihren Darstellern einiges ab – sowohl psychisch als auch körperlich. Phoenix hat ganze 25kg abgenommen! Seine Darbietung ist Schauspiel höchster Klasse! Auch der Rest der Darsteller konnte mich überzeugen. Robert DeNiro (Taxi Driver, The King of Comedy) liefert als Talkmaster Murray Franklin gewohnt gut ab und auch sonst gab es wenig zu bemängeln.

Comic-Fans fragen sich bestimmt, ob es Anspielungen auf eben jene gibt. Neben den vielen bekannten Namen und zum Teil Charakteren im Film, gibt es tatsächlich die eine oder andere Anspielung. Zwar in sehr dosierter Form, doch dass ist vollkommen in Ordnung. Der Film kann problemlos alleine stehen, ohne dabei zu sehr der Vorlage zu entrinnen.

Joker – Polarisierende Faszination

Bei allem Lob gibt es trotzdem kleinere Kritikpunkte. Ab und zu bietet der Film kleinere Logiklücken und im Mittelteil Längen. Doch ist das Meckern auf hohem Niveau. Denn Joker belohnt uns mit vielen Facetten und Details. Wenn beiläufig von einer Rattenplage die Rede ist und wir gegen Ende gänzlich unauffällig Ratten in einer Gasse sehen, dann liegt das Auge nicht nur im Detail – es zeigt, dass die Macher die Kunstform Film verstanden haben! Eine Form, welche bereits 1976 in Taxi Driver von Regisseuren-Legende Martin Scorsese beherrscht wurde. Eben jener sollte ursprünglich als Produzent agieren, eher er das Projekt verließ.Wer den Film kennt wird merken, Joker schlägt in die gleiche Kerbe wie jener Film. Ein Film, der sich wie Salz in einer offenen Wunde der Gesellschaft breit macht und es mit aller Gewalt und ohne jegliche Kompromisse hinein drückt. Dabei bildet der Film kein politisches Statement – er legt einfach Probleme offen, welche seit Jahrzehnten bestehen. Leider tun das viel zu wenige Filme dieser Tage!

Joaquin Phoenix als Joker
Auf dem Weg in ein neues Leben! (Bild: Warner Bros.)

Das Fazit:

Joker ist ein unangenehmer Film, welcher dadurch jedoch zu gefallen weiß. Während Action, Spaß und CGI die Welt der Comicfilme über die vergangenen Jahre beherrscht haben, stößt der Clown von Joaquin Phoenix in eine bittere aber erfrischende Realität, welche sich wie eine Spirale einer grausamen Welt und eines nihilistischen Ideals in den Kopf brennen. Während Phoenix hier die Rolle seines Lebens zum Besten gibt, bestechen Atmosphäre und der dazugehörige Score mindestens genau so, wie es die Darsteller tun. Wer Spaß möchte, ist hier falsch! Joker ist Arthouse par excellence! Kompromisslos, düster und dabei unglaublich spannend. Dieser Film wird auch in einigen Jahren noch für Gesprächsstoff sorgen!

  • Kinostart: 10.10.2019
  • Regisseur: Todd Phillips
  • Darsteller: u.a. Joaquin Phoenix, Brett Cullen, Robert DeNiro, Zazie Beetz
  • Freigabe: Ab 16 Jahren
  • Länge: 122 Minuten
  • Genre: Thriller, Drama

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2 Kommentare

  • Dobinski,Jutta

    Der Film ist hochaktuell.In jedem von uns steckt ein Joker. Ich bin fast 70 Jahre und sehe ihn mir das 4.Mal an.Er spiegelt die zunehmende Rücksichtslosigkeit der Menschen und das Desinteresse der Regierungen wieder. Ich wohne in Berlin und habe das Gefühl,ich müsste mich auch mal langsam bewaffnen.
    Es gibt immer häufiger Situationen,wo ich gerne ähnlich dem Joker reagieren würde und sei es nur mit Worten.EIN AUSNAME-FILM,EIN AUSNAHME-SCHAUSPIELER

    • renesnerdcave

      Es freut mich zu hören das der Film so sehr gefällt! Solch eine Leistung schaffen nicht mehr viele Filme dieser Tage. Aber es stimmt, aktueller könnte der Film mit seiner Thematik nicht sein und gerade in der Großstadt ist das zu spüren. Danke für den Kommentar! 🙂

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