Comic Kritiken

Kritik – Gideon Falls 6 – Das Ende – Jeff Lemire/Andrea Sorrentino

Gideon Falls ist zweifelsfrei eine der erfolgreichsten Comicreihen der vergangenen Jahre. Jeff Lemire und Andrea Sorrentino haben eine Welt kreiert, in welcher Spannung und Wahn sich regelmäßig die Klinke in die Hand geben. Mit dem nun vorliegenden, sechsten Band endet die Geschichte von Pater Fred und Norton Sinclair. Die Reihe, erschienen im Splitter Verlag, steht für Unterhaltung erster Klasse. Doch kann Gideon Falls 6 – Das Ende diese Qualität halten? Das und mehr, erfahrt Ihr in der nachfolgenden Kritik.

Die verschiedenen Varianten von Gideon Falls treffen sich im Zentrum. Längst wissen Pater Fred, Norton und die Anderen Akteure der Story bescheid, über das multiversale Geschehen. Die Schwarze Scheune gehört der Vergangenheit an, doch das Böse ist längst nicht besiegt. So müssen die Charaktere alles daran setzen, den Lachenden Mann und seine Legionen von Untertanen endgültig aufzuhalten. Doch wie kann die scheinbar unmögliche Herausforderung gemeistert werden? Im lang erwarteten Finale der vielfach mit dem Eisner Award ausgezeichneten Reihe, werden wir es herausfinden…

Starautor Brian Michael Bendis (Daredevil, Superman) schreibt, dass das Kreativteam Jeff Lemire (Sweet Tooth, Black Hammer) und Andrea Sorrentino (Batman – Die Maske im Spiegel) einmal als das größte Kreativteam aller Zeiten in die Geschichte übergehen werden. Ob es so weit kommen wird bleibt abzuwarten. Sicher ist nur, dass die Beiden bereits jetzt mehr als erfolgreich sind. Einer der vielen Gründe, ist das exzellente Zusammenspiel beider Köpfe. Wenn es etwas gibt, was seit der ersten Seite der Geschichte konstant geblieben ist, dann die extrem dichte und packende Atmosphäre von Gideon Falls.

Norton Sinclair durchstreift in Gideon Falls 6 en Wald (Bild: Renes Nerd Cave/Splitter Verlag)
(Bild: Renes Nerd Cave/Splitter Verlag)

Gideon Falls 6 – Finale Furiosum ?

In den vergangenen fünf Bänden der Reihe ist allerhand passiert. Vom seichten Begin und der Ankunft in der Kleinstadt, bishin zur erschütternden Erkenntnis, dass wir es mit einer multiversalen Bedrohung zu tun haben. Nun befinden wir uns am Ende des Weges und dem alles entscheidenden Kapitel einer Reihe, die durchaus für Furore sorgte. Als ich damals den ersten Band in Händen hielt, hätte ich nicht erwartet, dass die Geschichte schon bald zu meinen Liebsten gehören würde. Jedes Warten auf eine Fortsetzung wurde zu einer Qual. Die Vorfreude und Anspannung waren jedes Mal auf ein Neues groß. Nicht anders war es jetzt, hinsichtlich des Finales. Aber war die Vorfreude und die Erwartung daran, womöglich zu groß?

Ohne große Spoiler ist es schwierig, die Handlung dieses letzten Kapitels zusammenzufassen. Wer die Reihe bis hier verfolgt hat, wird gemerkt haben, dass bereits Band 5 eine etwas schnellere Gangart mit sich brachte. Hier schließt der Sechste auch nahtlos daran an. Dabe sei zu erwähnen, dass Andrea Sorrentino hier im Minutentakt optische Highlights an den Tag legt. Wenn Zeitstränge, Welten und Dimensionen in wilden Formen und Farben aufeinander treffen, weiß die Optik und die daraus resultierende Atmosphäre zu begeistern. Nicht selten haben Wendungen und Twists für offene Mäuler gesorgt. Wieso sollte Lemire damit in Gideon Falls 6 also aufhören? So endet der Horror Comic wotwörtlich mit offenen mündern. Das Finale geschieht schnell und überraschend und im ersten Moment war ich ordentlich aus der Fassung. Doch bei längerer Betrachtung und erneutem Lesen jener letzten Seiten, offenbart sich die ganze Klasse des Autors.

Pater Fred
(Bild: Renes Nerd Cave/Splitter Verlag)

Das Ende einer Reise

Nicht selten lese ich Reihen, welche vom Anfang bishin zu den letzten Kapiteln exzellent sind. Leider findet sich bei vielen jener Reihen ein Finale, welches dem vorherigen Schaffen nicht gerecht wird. Zu hastig, zu gewollt und zu verstrickt kommen viele Enden daher. Gideon Falls 6 ist glücklicherweise keines dieser Beispiele. Wenngleich ich im ersten Moment perplex in meinem Sessel saß, entfaltet sich der letzte Akt mit der Zeit. Dabei möchte ich, wie bereits erwähnt, gar nicht zu sehr auf die eigentliche Handlung eingehen. Insgesamt werden so gut wie alle Fragen beantwortet, welche die Reihe in ihren 27 US-Ausgaben aufgeworfen hat, beantwortet. Die Wege der einzelnen Figuren werden konsequent weiter erzählt und wirken durchdacht. Obwohl das Ende überraschend kommt, passt es wie die Faust aufs Auge. Es erinnert mich gar an einen guten Wein, welcher zunächst Zeit zum atmen braucht.

Das Fazit:

Gideon Falls 6 – Das Ende ist der letzte Akt einer Geschichte, welche zweifelsfrei zum Besten gehört, was das Medium in den vergangenen Jahren zu sehen bekam. Die Reihe transportiert eine unglaublich dichte Atmosphäre und bedient dabei Horrorfans als auch all jene, die wert auf spannende und mitreißende Unterhaltung legen. Glaube, Wahn und Obsession sind Kernelemente der Handlung und werden von Lemire exzellent eingebaut, ohne dabei zu gezwungen oder aufgesetzt zu wirken. Das Finale Kapitel liefert dabei optische Highlights und gewohnt spannende Wendungen. Das Ende als Solches braucht ein wenig Zeit, entfaltet sich aber ausgesprochen gut und passt letztlich hervorragend. Abschließend bleibt wohl nur zu sagen: DANKE Jeff Lemire und Andrea Sorrentino, für herausragende Unterhaltung!

Bewertung: 4.5 von 5.
  • Erstveröffentlichung: 17.11.2021
  • Autor: Jeff Lemire
  • Zeichner/Farben: Andrea Sorrentino/Dave Stewart
  • Preis: 19,80€
  • Seiten: 112
  • Format: Hardcover/eComic
  • Genre: Horror/Mystery
  • Inhalt: Gideon Falls #27 + Bonusseiten
  • Publisher: Image Comics
  • Verlag: Splitter Verlag

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