Comic Kritiken

Criminal – Crime Noir mit Facetten – Schreiber & Leser – Kritik

Criminal von Ed Brubaker und Sean Phillips. Wer auf der Suche nach einem facettenreichen und clever inszenierten Krimi ist, der kommt bereits seit Jahren nicht an dieser Reihe vorbei. Der deutsche Schreiber & Leser Verlag hat die ersten Kapitel jüngst in einem ersten Deluxe Band neu veröffentlicht. Auf über 400 Seiten tauchen wir hinab in die Welt von Kleinganoven, Verbrecher Familien und korrupten Cops. Das Kreativteam hat dabei nicht nur Erfahrung in der Zusammenarbeit, sondern ist prädestiniert für das Genre wie kein anderes. Worum es im ersten Deluxe Band geht und vieles mehr, lest ihr in der folgenden Kritik.

In Criminal begleiten wir mal Auftragsganoven, mal sind es gescheiterte Persönlichkeiten oder Leute, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. In einer übergeordneten Handlung, die uns immer wieder mit der Familie Lawless zusammenkommen lässt, werden Nebenfiguren zu Hauptcharakteren und anders herum. Alles vereint unter einem roten Faden, welcher sich auf mehreren Zeitebenen befindet. Es sind die Ganoven, welche hier in ihren Persönlichkeiten und täglichen Herausforderungen im Vordergrund stehen. Zwar begegnen wir (meist korrupten) Polizisten, doch Ermittlungen und dergleichen, stehen nie im Fokus. Die einzelnen Geschichten sind unterschiedlich lang und haben stets verschiedene Figuren im Fokus. Dadurch werden weitreichende Perspektiven ermöglicht welche die mit 3 Eisner Awards ausgezeichnete Crime Noir Serie, stets kurzweilig und fesselnd gestalten.

US-Autor Ed Brubaker hat sich mit seinen Erzählungen von Captain America (in welcher er Bucky zum Winter Soldier machte), Daredevil oder Gotham Central, einen legendären Namen im Segment der Superhelden erarbeitet. Vor allem jedoch Kriminal-Geschichten sind es, welche er wie kein Zweiter verfassen kann. Knallharte Cops, Luft die zum schneiden dick ist und atmosphärische Szenerien mit charismatischen Charakteren. Egal ob es Sleeper, Kill or be Killed oder Fatale ist. Seine Crime Storys sind unverkennbar. Eine Tatsache, welche auch mit Zeichner Sean Phillips zu tun hat. Der Brite welcher einst Reihen wie Hellblazer, Black Widow oder Judge Dredd inszenierte, ist bereits seit langer Zeit der Stammzeichner Brubakers. Die markante Linienführung und die hervorragend inszenierten Schauplätze bringen eine fast schon einzigartige Atmosphäre aufs Papier.

Die Kunst von Criminal - Bild: Schreiber & Leser Verlag/Image Comics/Sean Phillips
Bild: Schreiber & Leser Verlag/Image Comics/Sean Phillips

Criminal – Verbrechen zum Beruf

Ein Faktor welcher Criminal so erfolgreich macht: Alltäglichkeiten! Es sind weder draufgängerische Polizisten noch sind es weltbekannte Verbrecher und halsbrecherische Heists mit Helikoptern, Sprüngen von Wolkenkratzern und dergleichen. Vielmehr sind es Gewissensbisse, berufliche Fehlentscheidungen und familiäre Zwänge, welche den Grundton formen. Zwischen diesem allerlei, liegt das Undertow – Eine alte Flüsterkneipe, welche längst zum zentralen Angelpunkt für krumme Geschäfte geworden ist. Während dem lesen wirkt es fast immersiv, so dicht ist die Atmosphäre. Die Action ist wohl dosiert und überaus cool inszenert. Eben so, wie es sich für Crime Noir gehört. Hoffnung und Glück sind nur seltene Gäste, im tristen Verbrecher-Leben. Vielmehr sind es metaphorische Schippen, alte Traumata und falsche Freunde, welche tiefe Gräber ausschöpfen.

Neben Dingen wie Drogen- und Machtmissbrauch, scheuen sich Brubaker und Phillips nicht davor, in Criminal auch Themen wie Kriegsvebrechen, Kriegsraumata und Misshandlungen zu berücksichtigen. Wenngleich diese Aspekte in das gesamte Konstrukt passen und homogen in der Handlung integriert sind, zeigt es erneut auf, mit welchen Missständen und finsteren Machenschaften unsere Welt „gesegnet“ ist. Im kriminellen Umfeld existieren richtig oder falsch nur selten. Macht und Angst sind die täglichen Begleiter. Egal ob man den Titel zu seiner Veröffentlichung 2006 bei Icon Comics (die Reihe wechselte später zu Image Comics) gelesen hat oder nun, im Sammelband von Schreiber & Leser – Viele dieser Themen sind zeitlos. Ein Aspekt, welcher die Reihe stetig aktuell und spannend bleiben lässt.

Criminal - Bild: Schreiber & Leser Verlag/Image Comics/Sean Phillips
Bild: Schreiber & Leser Verlag/Image Comics/Sean Phillips

Das Fazit:

Criminal – Deluxe Edition 1 von Ed Brubaker & Sean Phillips ist ein hervorragend inszenierter, knallhart ausgearbeiteter und überaus stark gezeichneter Crime Noir, welcher zeitlos und atmosphärisch daherkommt. Die verschiedenen Charaktere und ihre übergeordnet zusammenhängende Geschichte, ziehen von den ersten Seiten an in ihren Bann. Nachdem nun einige Jahre Pause war, liefert das Kreativteam mit „The Knives“ jetzt einen Folgeband. Seit Corona veröffentlichen sie ihre Storys nicht mehr im Serienformat, sprich ohne monatliche Hefte. Man darf daher höchst gespannt sein, in welche kriminellen Machenschaften wir künftig abtauchen dürfen. Fest steht jedoch: Wer auf der Suche nach den eingangs genannten Aspekten ist oder schlicht einen packenden Krimi sucht, der kommt an Criminal nicht vorbei! In Anbetracht der Live Action Serien Adaption des Stoffes mit u.a. Charlie Hunnam (Sons of Anarchy) und Emilia Clarke (Game of Thrones), preschen rosige Zeiten für Crime-Fans auf uns zu.

Bewertung: 5 von 5.
  • Erstveröffentlichung: 08/2025
  • Autor: Ed Brubaker
  • Zeichner: Sean Phillips
  • Preis: 49,80€
  • Format: Hardcover
  • Seiten: 432
  • Genre: Crime/Noir
  • Eigenständig: Ja
  • Abgeschlossen: Nein
  • Verlag: Icon/Image Comics
  • Deutsche VÖ: Schreiber & Leser Verlag

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