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X-Men ’97 – Zwischen Nostalgie und Nervenkitzel – Disney+ – Kritik

In den Neunzigern erlebten die X-Men ein regelrechtes Hoch! Während Comic Legende Chris Clearmont, zusammen mit dem damals aufstrebenden Jim Lee einen Neustart bei Marvel Comics hinlegten, erschien ab 1992 auch die Serie, welche zum absoluten Kult aufsteigen sollte – X-Men: The Animated Series. Mit X-Men ’97 wird diese nun fortgesetzt. Die Inhalte mögen neu sein, doch der Look und die Nostalgie bleiben! Warum die Disney+ Serie um Wolverine, Gambit und Co. so gelungen ist, lest ihr in der nachfolgenden Kritik.

Zwischen 1992 und 1997 erschien die ursprüngliche Animationsserie, welche heute längst Kultstatus besitzt und von Fans und Kritikern verehrt wird. Mit X-Men ’97 wird die Handlung nun fortgesetzt. Nachdem Prof. Xavier gestorben ist, hat Cyclops die Leitung der Mutanten übernommen. Doch damit nicht genug – seine Frau, Jean Grey erwartet Nachwuchs. Zeiten des Umbruchs und der anhaltenden Trauer, um den Verlust von Verbündeten. Durchatmen können die Helden jedoch nur selten. Immer wieder kommt es zu Bedrohungen. Egal ob es dabei neue Feinde sind, alte Wunden oder unerwartete, alte Feinde. Magneto steht eines Tages vor den Türen der X-Men Schule und will die Leitung an sich reißen…

Cyclops und die X-Men '97 (Bild: Disney+/Marvel Studios)
Bild: Disney+/Marvel Studios

Man kann mit recht behaupten, dass die Animationsserie rund um die Mutanten, zum Besten gehört, was Marvel in dieser Hinsicht veröffentlicht hat. Nicht ohne Grund, wird die Serie von Fans und Kritikern gleichermaßen, hoch geschätzt. Sie verhalf den X-Men obendrein einen neuen Höhepunkt, welcher sich auch auf die Comic-Publikationen ausgewirkt hat. Vielschichtig, emotional und mit einer ordentlichen Portion Action versehen, begeisterten die Helden (und Schurken) über mehrerer Staffeln. Dass mit X-Men ’97 nun quasi nahtlos an der alten Serie angesetzt wird, ist erfreulich. Trotz des großen Erfolges, blieben einige Fragen offen. Solche, auf welche es nun zumindest teilweise, Antworten gibt. Doch diese erste Staffel ist viel mehr, als nur eine stupide Fortsetzung einer Erfolgsserie.

Alles auf Anfang? Von wegen!

Wer mit den Mutanten bisweilen weniger Berührungspunkte hatte, wird von der Menge an Charakteren womöglich anfangs etwas „erschlagen“. Erschwert kommt hinzu, dass hier keine Zeit mit Origins oder Herkunftsgeschichten „verplempert“ wird. Wer die Serie gucken will, sollte sich, für das perfekte Verständnis, zumindest die Origins der wichtigsten Charaktere durchlesen – oder noch besser, die Animationsserie gucken, welche auf Disney+ ebenso verfügbar ist. Doch dieser Faktor ist genau richtig. Zwar wird ’97 als „neue Serie“ vermarktet, letztlich ist sie aber eine weitere Staffel der Ursprungsserie. Ich denke, da sind sich alle einig. Sobald der Soundtrack (Remastered versteht sich) über die heimischen Boxen oder Kopfhörer läuft, wird nostalgische Freude ausgeschüttet. Am Intro wurde, abgesehen von überarbeiteten Animationen, nicht viel verändert.

Die Handlung steckt bereits tief drinnen, in der Materie der X-Men. Daher ist Spannung sofort vorprogrammiert. Emotionale Wendungen, dramatische Ereignisse und überraschende Handlungsstränge, geben sich teilweise minütlich die Klinke in die Hand. Trotzdem gibt es allerhand Verschnaufpausen, welche die Spannungskurve gelungen dynamisch gestalten. Zwischen Menschenrechten, die Weltbevölkerung bedrohenden Gegnern und intergalaktischen Beziehungen, versteckt sich allerdings auch eines – Spaß! Jener dürfte zweifelsfrei in der Folge „Motendo“ seinen Höhepunkt finden! Ohne hier zu viel vorneweg zu nehmen: Retro Konsolen Fans werden ihren Augen nicht trauen!

Look und Substanz von X-Men ’97

Die Optik der Serie ist überaus gelungen. Der klassische Zeichentrick Look wurde beibehalten und erstrahlt, dank moderner Technik, in einem wunderbaren Glanz. Bewegungen und die verschiedenen Facetten der Charaktere wie Gambit, Beast oder Magneto und Co., werden detailliert und mit gelungenen Effekten dargestellt. Egal ob es donnernde Blitze von Storm sind, oder die vor Energie strotzenden Strahlen von Cyclops. Die Serie ist eine animierte Augenweide. Erfreulicherweise, bleibt die Substanz der Handlung dabei stets auf einem hohen Level. Wie bereits angesprochen, vereint die Serie, X-Men typisch, verschiedenste Aspekte. Emotionen, Drama und Überraschungen. Während Figuren wie Jean Grey oder Jubilee greifbar wirken, machen Wolverine und Co. das, was sie am besten können – Ordentlich auf den Putz hauen.

Magneto! (Bild: Disney+/Marvel Studios)
Bild: Disney+/Marvel Studios

Die damit einhergehende Dynamik ist es, welche die, mit zehn Folgen recht kurz geratene, Staffel so überaus sehenswert macht. Trotz ihrer Kürze, beherbergt die Staffel eine gute Portion Charakterentwicklung, eine kurzweilige Folge an Handlungen und Wendungen und schafft es auch, alt eingesessene Fans der X-Men zu überraschen. Auch bei genauerem Hinsehen, finden sich diverse Anspielungen und Easter Eggs, welche auf die lange Geschichte der Charaktere hinweisen. Veränderungen eben jener, gibt es dabei nur wenige. Morph ist nun nonbinär und trifft damit den Zeitgeist ebenso sehr, wie wieder auflebende Neunziger-Mode als auch zeitgenössische Anekdoten. So versteht sich ein Angriff der „Friends of Humanity“ auf die Vereinten Nationen, als Metapher auf den Kapitolsturm, der jüngsten Vergangenheit. Genau hier, begeht die Serie von Beau DeMayo ihren einzigen Fehler! Metaphern und Deutungen werden, bis auf wenige Ausnahmen, detailreich erklärt und beherbergen damit nur wenig Platz für die Zuschauer*innen selbst, sich einen Kopf über Szenerien zu machen. Bei einer sonst so vielschichtigen Handlung, leider schade.

Mehr aus den Neunzigern?

Mit dem Erfolg von X-Men ’97 stellt sich unweigerlich eine Frage! Wird es eine zweite Staffel geben und wie sieht es mit „Fortsetzungen“ weiterer Animationsserien aus? Wie so oft, dürfte eine Fortsetzung der Serie, von den Zuschauer- und Streamingzahlen abhängig sein. Unter Fans herbeigesehnt und generell einer ordentlichen Beliebtheit (auf Social Media etc.) zu bekunden, dürften die Chancen nicht schlecht stehen. Disney+ geht mit seinen Zahlen jedoch sehr streng um. Daher dürfte eine Schätzung auch eben eine solche bleiben. Wie u.a. kino.de berichtet, sind bereits einige Drehbücher zu einer weiteren Staffel geschrieben. Da DeMayo jedoch vor Veröffentlichung entlassen wurde, bleibt fraglich, wie damit umgegangen wird. Klar ist aber: Sollte X-Men in dieser Form ein Erfolg sein, kann es nicht lange dauern, bis erste Ideen für eine ähnliche Umsetzung von Spider-Man (ab 1994), Iron Man (ab 1994) und Co. die Runde machen.

Das Fazit:

X-Men ’97 von Beau DeMayo ist ein nostalgisches Wechselbad der Gefühle, im positivsten aller Sinne. Neben dem opulenten und überaus gelungenen Look der Serie, welcher die Essenz des Originals beinhaltet, wird die Handlung kurzweilig und spannend fortgesetzt. Zwar beinhaltet die erste Staffel lediglich zehn Episoden, doch Raum für Entfaltung und Charakterentwicklungen, ist reichlich gegeben. Nahezu jede Figur, erhält mindestens einmal die Chance zu glänzen. Es ist vor allem die Vermischung aus Neunziger Zeitgeist und den heutigen Aspekten, welche der Dynamik hervorragend zur Seite steht. Gepaart mit starken Wendungen und vielen Details, entsteht eine dichte Atmosphäre. Die einzig graue Wolke am Serienhimmel, ist das, übertrieben ausgedrückt, fehlende Vertrauen an die Deutungsfähigkeit der guckenden. Irgendwo zwischen Nostalgie, Spannung und Überraschungen, strahlt die Serie etwas aus, wie schon die Ursprungsserie: Hoffnung. Auf weitere Staffeln!

Bewertung: 4.5 von 5.
  • Erstveröffentlichung: 20.03.2024
  • Regie: Chase Conley, Jake Castorena
  • Darsteller (Synchro): u.a. Jennifer Hale, Ray Chase, Leonore Zann, Cal Dodd
  • Staffel: 1
  • Folgen: 10
  • Laufzeit: je ca. 30-40 Minuten
  • Freigabe: ab 12 Jahren
  • Genre: Superhelden, Animation
  • Eigenständig: Nein, X-Men: The Animated Series
  • Einsteigerfreundlich: Nur bedingt (Vorwissen hilfreich)
  • Studio: Marvel Studios
  • Streaming auf: Disney+

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