Comic Blind Bags – Trend mit Beigeschmack?
Comic Blind Bags waren DER Bringer auf dem Comic Markt im Jahr 2025 und auch darüber hinaus. Dabei handelt es sich, ähnlich wie bei Sammelkarten um Packs, welche spezielle oder limitierte Variants beinhalten, von neu erscheinenden Comicheften. Zum Start von Matt Fractions neuer Batman Heftreihe, erschien der „Blind as a Bat“ Bag. Dort enthalten waren Foil Varianten sowie auf bis zu 1:1000 Stk. limitierte Hefte. Was seitens der Verlage für gesteigerte Verkäufe sorgt, lässt die Comic-Community im Zwiespalt zurück. Während auf WhatNot.de unzählige Blind Bags für horrende Summen versteigert werden, wollen viele doch einfach nur ihr Lieblings-Variant ihr Eigen nennen… Ob die Comic Blind Bags dem Markt eher schaden und was das für künftige Veröffentlichungen bedeutet, erfahrt Ihr im nachfolgenden Bericht.
Comic Blind Bags sind Wundertüten für Sammler der neunten Kunst. Man kennt zwar das Thema, doch was man letztlich bekommt sieht man erst, wenn man es öffnet. Ein Konzept, welches in der weiten Welt der Sammelkarten (TCG´s) bereits seit jeher gelebt und geliebt wird. Je nach Spiel, erhält man sog. Booster Packs. Darin sind neue Karten von Pokémon, Yu-Gi-Oh!, Magic, Lorcana und Co. Das dieses Konzept nun auch in der Welt der Comics angewandt wird, ist nicht ganz neu. Blicken wir ein paar Jahre zurück, hat u.a. der deutsche Marvel und DC Comics Publisher Panini Comics solch ein Konzept angewandt. Zur Feier der 50. Ausgabe der Batman Heftreihe von Tom King wurden sog. Hochzeits-Variants (in Anlehnung an die damalige Story) herausgebracht. 50 Variants an der Zahl.
Was damals noch eine Seltenheit war, ist heute fast schon der Standard. Anlässlich des Neustarts der US Batman Heftreihe, erschienen „Blind as a Bat“ Blind Bags. Enthalten waren einige Foil Varianten von Variants der Ausgaben sowie besondere, limitierte Cover. Ähnlich lief es kurz darauf zum Start des DC KO Events. Und was macht die Konkurrenz? Egal ob IDW, Image (Skybound) oder kleinere Publisher (z.B. keenspot mit div. Mark Spears Monster Blind Bags) – Alle wollen ein Teil des Kuchens abhaben. Die größten Profiteure sind jedoch ganz andere! Reseller, Shops und Co. Auf der Suche nach den limitierten Heften, Lieblings-Covern oder dem berüchtigten „Fear of Missing Out“ scheuen Sammler nicht davor, teils horrende Summen auf den Tisch zu legen um einen der Blind Bags zu ergattern. Beginnt hier eine Verschiebung der Zielgruppen? Wie verändert es den Markt langfristig?

Comic Blind Bags – Ein Griff ins Ungewisse!
Dieser Tage gibt es mehr Variant Cover, als jemals zuvor! Teilweise erscheinen dutzende Varianten eines einzigen Heftes. Während die meisten relativ problemlos zu beziehen sind, erscheinen auch sog. Incentive Cover. Varianten die es nur gibt wenn ein Heft z.B. 10, 25 oder 50 mal gekauft wird. Diese steigen fraglos im Wert und sind zum Teil nur schwer zu bekommen. Blickt man allerdings auf den Faktor, das solche Hefte nun auch noch in Wundertüten verpackt werden und es noch eine Schippe ungewisser wird, ob man sich eins der begehrten Exemplare sichern kann, stellt sich unweigerlich die Frage, in welche Richtung sich der Markt bewegt. Denn Fakt ist, dass Blind Bags derzeit preislich durch die Decke gehen. Wer keine „ausreichende“ Anzahl vorbestellt muss u.U. hohe Summen im Zweitmarkt ausgeben.
Zusätzlich erscheinen nicht nur solche Bags welche über die Verlage selbst zu beziehen sind. Auch Shop exklusive Versionen gab es zuletzt. Prominente Vertreter sind vor allem jene, welche über die Verkaufsplattform WhatNot exklusiv zu beziehen sind. Hier sind zum Teil gleich drei Hefte enthalten. Dabei steigert sich natürlich ein wenig das angesprochene Booster Pack Feeling, ähnlich wie bei Sammelkartenspielen. Diese sind allerdings auch sehr schnell, sehr hoch im Kurs gestiegen. Nicht selten wurden diese bisher für über 100$ versteigert. Die Anzahl an „Nieten“ ist dabei enorm. Es ist der klassische Anreiz des jagen. Selbst dann, wenn das angestrebte Sammlerstück in keinem Verhältnis zwischen Wert und Investition liegt. Was bei Kelloggs und Co. mittlerweile „verboten“ ist, fängt bei Comics gerade erst an!
TRIVIA: WhatNot ist eine Verkaufsplattform, welche als Auktions-Haus konzipiert ist. Anders als beispielsweise auf eBay, haben die Verkäufer jedoch die Möglichkeit ihre Auktionen in Livestreams durchzuführen mit direkter Einbindung der Community über einen Chat. Vor allem im Segment von Trading Cards, Comics und Mode findet die Plattform (welche seit 2019 besteht) enormen Zuspruch. Auch in Deutschland finden immer mehr Verkäufer und Shops ihren Weg auf die Plattform. Die Gefahr aus Käufer-Sicht besteht ganz klar im „Impulskauf“. Gerade im Hinblick auf die aktuell beliebten Blind Bags kann da durch gezieltes Marketing ein „FOMO Faktor“ (Fear of missing out) entstehen, weshalb es nicht verwundert, dass die Bags teils für aberwitzige Summen über die digitale Theke gehen.
Die Perspektive eines Verkäufers – ComicPete
ComicPete.de besitzt nicht nur einen Online Shop für seltene Variants und verschiedene Comic Grading Services und Zubehör. Er verkauft auch regelmäßig auf WhatNot oder eBay Live. Er legt uns seine Verkäufer-Sicht zum Thema Blind Bags nahe:
„Comic Blind Bags verändern den Comic-Markt spürbar und eröffnen neue Chancen, bringen aber auch Risiken mit sich. Der Überraschungseffekt führt nachweislich zu mehr Käufen, da viele Kundinnen und Kunden gleich mehrere Blind Bags erwerben, um ihre Neugier zu befriedigen oder eine besondere Ausgabe zu ziehen. Gleichzeitig sprechen Blind Bags neue Zielgruppen an: Menschen, die bisher wenig oder gar keine Comics gelesen haben greifen eher zu, weil der Einstieg niedrigschwellig ist und das Produkt zum Ausprobieren einlädt.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die gestiegene Sichtbarkeit in sozialen Medien. Käufer posten ihre „Pulls“, tauschen sich aus und erzeugen Aufmerksamkeit, die weit über den eigentlichen Comic-Shop hinausreicht. Dadurch entstehen Synergien zwischen Handel, Community und Online-Plattformen, die dem Markt insgesamt neue Impulse geben können. Blind Bags funktionieren dabei nicht nur als Verkaufsprodukt, sondern auch als Marketinginstrument. Kritisch zu betrachten ist jedoch die zunehmende Überschwemmung des Marktes. Was ursprünglich als besonderes Erlebnis gedacht war, droht durch Übernutzung an Reiz zu verlieren. Wenn Blind Bags inflationär eingesetzt werden, geht die Magie des Überraschungsmoments verloren und sie werden als bloßes Verkaufswerkzeug wahrgenommen. Langfristig liegt der Erfolg daher darin, diese gezielt und bewusst einzusetzen – als Highlight, nicht als Standard.„
Jäger und Sammler
Man kann davon ausgehen, dass viele Neustarts bei DC oder Marvel künftig mit Blind Bag Variants veröffentlicht werden. Verübeln kann man es den zwei Großen keinesfalls. Aufgrund der Summe an verkauften Bags, macht das wirtschaftlich mehr als Sinn. In einem Markt in welchem in den letzten Jahren allerdings immer öfter Neustarts vollzogen werden um Verkäufe mit neuen Einser Nummern zu steigern, stellt sich aber auch die Frage, wo das hinführt. Der Reiz einer neuen Nummer eins schwindet seit einigen Jahren. Der Markt könnte daher in gleich zwei Richtungen überschwemmt werden. Immer mehr Comic Blind Bags, immer mehr Variants und immer mehr Neustarts. Aus Verkäufer Sicht heiligt der Zweck durchaus die Mittel. Doch steht eine Verschiebung der Kern-Gruppe aus Jägern und Sammlern bevor? Nicht selten hört man heute in der Community von jenen Konsumenten, welche hauptsächlich sammeln, nicht aber lesen.

Was sagt die Community? Ich habe mehrere Befragungen durchgeführt. Das Ergebnis war tatsächlich relativ ausgeglichen. Von rund 50 befragten Sammlern hat die Mehrheit auf die Frage „Was haltet Ihr von Blind Bags?“ (47%) mit „Mega Cool“ reagiert. 39% der Befragten waren jedoch der Meinung „Wir sind hier doch nicht bei TCGs“ und die restlichen 14% hatten entweder keine Meinung oder empfinden die Bags als „Absolut Uncool“. Wie Ihr seht – Die Meinungen dazu variieren. Selbstverständlich sind 50 befragte Nerds keine aussagekräftige Menge der gesamten Community gegenüber, doch es vermittelt zumindest ein Gefühl zur Meinung „dort draußen“. Wie steht Ihr zu dem Thema?
Versteckte Mängel?
Einer der Nachteile von Blind Bags hat sich zum Release von Ultimate Endgame von Marvel gezeigt. Nahezu alle Blind Bags waren mit lädierten Heften bestückt. Aufgrund von Defiziten im Versand der Hersteller, hatten die Hefte deutlich sichtbare Beschädigungen wie Spine Ticks (Knicke) oder gar Color Breaks. In diesem Speziellen Fall gleich doppelt bitter – Marvel hatte zahlreiche 1 of 1 Original Art Sketche in den Blind Bags versteckt. Auf Instagram wurde ich auf einen Post aufmerksam in welchem jemand sein 1:1000(!) Variant von Chip Zdarsky gezeigt hat. Ein Heft mit immensen Wert…wären da nicht die unschönen Beschädigungen. Da kann die Freude recht schnell zum Leid überschwappen…
Meine Perspektive?
In meiner eigenen Perspektive erfreue ich mich durchaus an Blind Bags. Wie eingangs erwähnt, erinnert es an Wundertüten oder Booster Packs aus TCGs, was für mich auch einen leicht nostalgischen Faktor mit sich bringt. Wenn auch noch seltene Goodies enthalten sein können wie Original Arts, signierte Hefte oder gar Grading Gutscheine (wie anhand des Beispiels der letzten Witchblade Blind Bags), dann hat das definitiv einen Anreiz. Die Chance ein solches Stück zu ergattern, gleicht natürlich einem Lottogewinn. Trotzdem begrenze ich mich hier auf maximal zwei bis drei Bags pro Heft. Es soll ein nettes Gimmick bleiben. Der regelrechte Hype auf WhatNot und Co ist für mich jedoch ein fader Beigeschmack, welcher viel zu schnell eskaliert ist.
Der Groschen fällt einfach nicht, wenn man meistens genügend Zeit hat um bei Comic Shops eine komfortable Summe an Bags vorzubestellen (zum Coverpreis von 5 bis 9€ – Beispiel Marvel und DC), dann anschließend das teils doppelt und dreifache zu blechen. Ziehe ich keins der Cover welches ich bevorzuge, bleibt ja glücklicherweise immer noch die Möglichkeit innerhalb der Community zu tauschen. So, wie es früher auch mit Sammelkarten auf dem Schulhof geschehen ist. Ein Faktor, welcher dieser Tage auch immer weiter in Vergessenheit gerät… doch das ist ein ganz anderes Thema 😉
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