Comic Kritiken

Kritik – The End – Das Leben findet einen Weg

The End, vom schweizer Autor und Zeichner Zep (Paris 2119), ist jüngst im Schreiber und Leser Verlag erschienen und transportiert dabei eine verblüffende Botschaft! Solch eine, wie sie eigentlich auf der Hand liegt – Die Natur ist ein riesiger, großer Charakter. Doch was genau damit gemeint ist, lest Ihr in meiner Kritik.

The End

Theo, die Hauptfigur der Geschichte, ist Praktikant in einer schwedischen Forschungsstation. Dort assistiert er Prof. Fawley. Dieser kam vor einigen Jahren in die Kritik, als er eine dubiose These über das Leben der Bäume veröffentlichte. Seitdem ist der The Doors liebende Wissenschaftler auch als „der Baumflüsterer“ bekannt. Nachdem er seinen Sitz in Harvard verlor, zog er sich in seine Forschungen zurück. Seine These? Bäume haben ein komplexes Miteinander was so alt ist, wie die Erde selbst. Dieses soll in den Genen der Bäume verankert sein. Als dann jedoch von einer erschreckender Reihe Todesfälle in Spanien berichtet wird und einige andere, seltsame Dinge geschehen, beginnt das Thema ungeahnte Züge anzunehmen. Was geht auf der Erde nur vor sich?

Ein Blick hinein in "The End" von ZEP (Bild: Renes Nerd Cave/Schreiber und Leser)
Die Farben sind bedeckt gehalten, versprühen so aber eine interessante Atmosphäre! (Bild: Renes Nerd Cave/Schreiber und Leser)

Light my fire

Bäume. Natur. Die Erde – Themen, welche ich in dieser Form normalerweise nur selten in Comics vorfinde. Doch genau aus diesem Grund, weckte das Werk mein Interesse. Wer sich ein wenig mit dem Thema „Bäume“ auseinandersetzt, kommt an Wohllebens „Das Leben der Bäume“ kaum drumherum. Das sich Zep davon hat inspirieren lassen, liegt wohl auf der Hand. So versprüht das Comic eine sehr interessante Story, welche mich durchaus zum nachdenken angeregt hat. er sich jetzt denkt „Bäume? Geht es vielleicht noch langweiliger?“, der irrt sich! Nicht umsonst hat bereits der große J.R.R. Tolkien in seiner Der Herr der Ringe Saga erkannt, dass die riesigen Pflanzen vielschichtig sind.

Jene vielschichtigkeit ist es auch, die den Kern der Geschichte symbolisiert. Natürlich muss man sich im Klaren sein, dass der vorliegende Bio-Thriller eine Sci-Fi Story ist. Doch die Idee der miteinander kommunizierenden Pflanzen ist nicht neu. Was wäre, wenn die Erde wirklich eine Art Regulation der Lebewesen von Zeit zu Zeit vornimmt? Bereits seit vielen Jahren wird das Aussterben der Dinosaurier heiß diskutiert. Wiederholt sich die Geschichte eines Tages? Sind wir Menschen womöglich die Spezies, die gelöscht wird?

Das Zep bisher eher für leichte Kost bekannt war, kann man hiermit definitiv ad acta legen! The End bietet Arthouse Unterhaltung in Comic Form. Das die Spannung bereits im Mittelteil ihren Höhepunkt erreicht mag der Eine oder Andere zwar als Kritik oder Schwäche ansehen, mich hat es jedoch eher weniger gestört. Es passt irgendwie ins Konzept.

Die Kultband The Doors ist ein fester Bestandteil der Forschung von Professor Fawley (Bild: Renes Nerd Cave/Schreiber und Leser)
Auf der Forschungsstation vergeht kein Tag ohne The Doors (Bild: Renes Nerd Cave/Schreiber und Leser)

Riders on the Storm

Als Musik liebender Nerd habe ich mich sehr gefreut, dass die Band The Doors so einen großen Part der Geschichte übernommen hat. Tatsächlich passt das aber auch wie die Faust aufs Auge. Bereits der Titel lässt es erahnen. The End ist ein großartiger Titel – sowohl der Song, als auch der Name für dieses Werk. Das wir im Verlauf der Geschichte immer wieder Panels haben (siehe Bild unten), welche uns mit den Klassikern der Band konfrontieren, trägt ungemein zur Atmosphäre bei. Ebenfalls ein Teil davon ist die sehr reduzierte Farbgebung und das nüchterne Farbschema, welches Zep hier gewählt hat. Das mag ungewohnt sein, doch man gewöhnt sich schnell daran.

Ebenso gefallen, hat mir die Optik der Figuren. Sehr realistisch und mit viel Mimik gezeichnet, erkennt man die Stimmung der Charaktere auf den ersten Blick. Abseits von Superhelden wie Batman und co., liefert The End einen erfrischenden Ausflug in die Natur, welcher nicht nur bedacht wirkt, sondern auch nachdenklich macht. Eines meiner liebsten Filmzitate lautet – Das Leben findet einen Weg. Was in Jurassic Park bereits Sinn ergeben hat, tut es hier ebenso. Die Erde ist ein Planet, welcher, metaphorisch, einen eigenen Organismus darstellt. Wir sind nur die Gäste darauf…

Wissenswert: Das Buch ist völlig nachhaltig und mit ökologisch recyceltem Papier gefertigt – ganz im Geiste der Geschichte.

Mimik wird groß geschrieben! (Bild: Renes Nerd Cave/Schreiber und Leser)
Die Figuren haben eine sehr detaillierte Mimik (Bild: Renes Nerd Cave/Schreiber und Leser)

When the Music is over – Das Fazit:

The End ist ein Comic, welches ohne Zweifel in vielen Highlight-Listen für das Jahr 2020 auftauchen sollte. Die Kreation des schweizers Zep ist nicht nur spannend, sie ist auch erfrischend tief gehend. Dem Leser wird verdeutlicht, dass die Erde nicht unser Eigentum ist. Wenn der Planet genug hat, sucht er Lösungen für ein Gleichgewicht. Das tut er in dieser (fiktiven) Geschichte, das tat er schon immer und wird er immer tun. Atmosphärisch bietet The End nicht zuletzt wegen der Optik und dem Zusammenspiel mit den Doors ein inneres Blumenpflücken. Kleinere, erzählerische Schwächen stehen vielen schönen Aspekten gegenüber und fallen daher nur leicht ins Gewicht. Wer offen für unabhängige und inhaltlich wertvolle Stories ist, kommt an The End nicht vorbei!

  • Erstveröffentlichung: Juni 2020
  • Autor/Zeichner: ZEP
  • Verlag: Schreiber und Leser
  • Seiten: 96 (Hardcover)
  • Genre: Sci-Fi
  • Preis: 19,80€

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